Es gibt Dinge, die muss man nicht unbedingt tun. 42 Kilometer zu Fuss rund um einen See zu gehen, gehört ziemlich eindeutig dazu. Man könnte schliesslich auch gemütlich am See sitzen, ein Glacé essen und den Tag deutlich entspannter verbringen. Trotzdem machen sich Jahr für Jahr Lernende des Instituts Beatenberg auf den Weg zum Around the Lake.
Vielleicht gerade deshalb.
Denn Herausforderungen haben eine etwas eigenartige Eigenschaft: Sie sehen meistens grösser aus, bevor man sie angeht. Und gerade in einer Zeit, in der junge Menschen mit vielen Unsicherheiten konfrontiert sind – von der sich verändernden Arbeitswelt bis hin zu einer zunehmend komplexen und schnelllebigen Welt – wird eine Fähigkeit immer wichtiger: nicht bei jeder Schwierigkeit sofort einen Ausweg zu suchen, sondern sich selbst zuzutrauen, damit umgehen zu können. . Der Around the Lake bietet dafür eine ziemlich gute Trainingsumgebung. Ganz ohne PowerPoint, Arbeitsblatt oder Lernauftrag.
Die Bedingungen waren bei der diesjährigen Ausgabe jedenfalls nahezu perfekt: schönes, eher warmes Sommerwetter, wie immer eine beeindruckende Landschaft und eine Strecke, die zwar lang, aber eben auch machbar ist. Von Bönigen führte die Route wie gewohnt über Ringgenberg, Oberried und Brienz bis zum Mittagessen beim Giessbach. Danach ging es via Iseltwald wieder zurück nach Bönigen ins Ziel.
Natürlich sind 42 Kilometer auch bei bestem Wetter kein Spaziergang. Irgendwann werden die Beine schwer, die Strecke zieht sich und die Frage, wie weit es wohl noch sein mag, wird häufiger gestellt. Genau dann wird aus einem schönen Ausflug eine echte persönliche Herausforderung. Man muss dranbleiben, sich die Strecke einteilen, vielleicht einmal über den eigenen Schatten springen, Unterstützung annehmen oder anderen welche geben.
Und genau darin liegt der eigentliche Wert des ATL: Nicht die Herausforderung verschwindet – man wächst in sie hinein.
Was zunächst nach einer ziemlich verrückten Idee klingt, wird Kilometer für Kilometer zu einer Erfahrung von Selbstwirksamkeit: Ich kann das. Auch wenn es anstrengend wird. Auch wenn ich zwischendurch keine Lust mehr habe. Auch wenn ich nicht genau weiss, was noch kommt.
Dass dabei auch das gemeinsame Erlebnis eine wichtige Rolle spielt, versteht sich fast von selbst. Gemeinsam unterwegs zu sein, sich gegenseitig zu motivieren und schliesslich gemeinsam ins Ziel zu kommen, macht aus 42 Kilometern deutlich mehr als eine sportliche Leistung.